Nachrichten zum Thema Europa
16.05.2017 in Europa von Peter Simon
Lebensmittel gehören auf den Teller, nicht in die Tonne
Es geht um den Salat, der leicht welk ist, oder den Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist: Durchschnittlich 173 Kilogramm Lebensmittel wirft jeder EU-Bürger pro Jahr weg, darunter häufig auch Produkte, die noch bedenkenlos verzehrt werden könnten. Viele Lebensmittel werden zudem wegen vermeintlicher Schönheitsfehler wie einer unerwünschten Größe oder Form schon auf dem Feld aussortiert, und auch Supermärkte und Restaurants schmeißen häufig einwandfreie Ware weg. Alles in allem landen so etwa ein Drittel der für den Verzehr produzierten Nahrungsmittel im Müll - was rund 88 Millionen Tonnen jährlich entspricht. Damit verbunden sind die Verschwendung wertvoller Ressourcen wie Anbauflächen, Wasser, Dünger und Energie sowie ein vermeidbarer Ausstoß von Treibhausgasen. Zugleich können sich rund 55 Millionen Menschen in der EU nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten. Diesem Missstand will die Europäische Union nun entgegenwirken.
In einem Bericht, über den das Europaparlament in dieser Woche in Straßburg abgestimmt hat, fordern die Abgeordneten die EU-Kommission dazu auf, einen Aktionsplan gegen Lebensmittelabfälle zu entwickeln. Auch die Mitgliedstaaten sollen Maßnahmen gegen Verschwendung ergreifen. Ziel ist es, die Lebensmittelabfälle im Vergleich zum Jahr 2014 um 30 Prozent bis zum Jahr 2025 und um 50 Prozent bis zum Jahr 2030 zu reduzieren.
Hierfür muss man in erster Linie beim Verbraucher ansetzen, denn mehr als die Hälfte der Lebensmittelabfälle entsteht in privaten Haushalten. Die Verbraucher müssen besser aufgeklärt werden, damit klar ist, wie lange der Joghurt wirklich haltbar ist und wie man den Salat am besten lagert. Die Unterscheidung zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum muss klarer sein, und Produkte sollten besser gekennzeichnet werden.
Auch die Verschwendung bei der Herstellung von Nahrungsmitteln soll eingedämmt werden, etwa durch innovative Technologien bei der Verpackung oder optimierte Lagerung. Zudem sollen sich die EU-Mitgliedstaaten bis Ende 2017 auf eine gemeinsame Definition für Lebensmittelverluste und auf ein einheitliches Verfahren zur ihrer Erfassung einigen. Auf dieser Grundlage sollen die Mengen des Lebensmittelabfalls besser kontrolliert und reduziert werden. Nicht zuletzt soll der Handel in die Pflicht genommen werden. Die Mitgliedstaaten sind aufgerufen, steuerliche und lebensmittelrechtliche Anreize für Lebensmittelspenden zu schaffen - damit nicht verkaufte, aber noch genießbare Produkte nicht im Müll landen, sondern auf dem Teller.
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Auf den Punkt gebracht:
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