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SPD Mannheim - Seckenheim Hochstätt Suebenheim

Geräuschvoll an der großen Schraube drehen: Kulturförderung für die „freie Szene“.

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Vergabekriterien müssen verbessert – Fördermittel erhöht werden.

Kein Kulturpolitiker, Kreativwirtschaftler oder „Leuchtturmwärter“, der nicht das Hohe Lied auf die Freie Kulturszene singt, der nicht deren Bedeutung als Keimzelle kreativen Schaffens, als Nährboden lebendiger Vielfalt bildreich beschreibt. Letzten Endes jedoch verhallt das Lied irgendwo im Nirgendwo. Auch in Mannheim und der Metropolregion wird die Freie Szene von Amts wegen bei Weitem mehr gelobt als gelebt, vor allem hinsichtlich adäquater finanzieller Ausstattung, Bereitstellung von passenden Räumen und schnellen, unbürokratischen Genehmigungsverfahren.

Doch die „freie Szene“ bekommt vom Kulturetat nur die Brotkrumen, die vom Teller der großen Kulturinstitutionen herunterfallen. Der derzeitige Kulturetat beträgt knapp 60 Mio. Euro. Nur knapp 2,4 Mio. Euro des Gesamtetats gehen an die freie Szene. Doch es sind deutlich drei Förderungsformen zu unterscheiden. Die institutionelle Förderung von einzelnen Häusern, Initiativen und Vereinen; die infrastrukturelle Förderung, d.h. die Überlassung von Gebäuden und Liegenschaften; und die gezielte Förderung von einzelnen Projekten. Ein Großteil der im Kulturetat veranschlagten Mittel von knapp 2,4 Mio. Euro fließt in die institutionelle und infrastrukturelle Förderung von wenigen Vereinen und Häusern.

Nur die Spitze des Eisbergs der „freien Szene“ bekommt diese Förderung. Der unter der Wasseroberfläche liegende Teil muss sich mit einem Betrag von etwas mehr als 300.000 Euro zufrieden geben. Ein wichtiges Anliegen der freien Kulturszene liegt, unabhängig von bisher fehlenden Mitteln, in der Veränderung der Richtlinien zur Vergabe der Gelder. Eine Defizitförderung, also der Ausgleich von Schulden durch das Kulturamt, macht keinen Sinn. Mit (Kreativ)Wirtschaft hat das wenig zu tun. In diesem Zusammenhang und im Zuge der allseits gefragten und beschworenen Vernetzungsidee ist noch ein weiteres Vergabekriterium zu überdenken. Bisher werden fast ausschließlich Einzelkünstler und Projekte unterstützt, institutionelle Förderung gibt es nur für wenige Häuser. Jedoch fungieren gerade Institutionen der Freien Szene als potente Netzwerke und leisten einen enormen Beitrag zur kulturellen Stadtentwicklung, nicht nur auf regionaler und nationaler Ebene, die Arbeit greift je nach Genre durchaus auch international. Das kulturell so ambitionierte Mannheim wäre gut beraten, sich das Potential zunutze zu machen und hier professionelles Arbeiten wahrhaft zu fördern.

Über das „wer, was und wie hoch“ sollte ein Gremium bestehend aus Vertretern des Kulturamts, den jeweiligen kulturpolitischen Sprechern der Fraktionen gemeinsam mit Szenekennern und mindestens einem Wirtschaftsexperten befinden. Darüber hinaus sollten Formen einer quasi indirekten finanziellen Förderung weiterentwickelt werden. In stimmigen Kooperationen mit den „Großen“ etwa, die durch ihre herausragende Stellung in der Kulturlandschaft meist ganz andere Möglichkeiten privatwirtschaftlicher Förderung nutzen, das heißt Drittmittel akquirieren können. Damit würde man übrigens auch der Leuchtturm-Metapher vollends gerecht, denn Leuchttürme haben bekanntlich schützende, sogar rettende Funktion.

 

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