OB Kurz will gut situierte Familien in der Stadt halten
Mannheimer Morgen
20. April 2011
Eine gute Stunde sprach Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz in der Lindenhöfer Lanzkapelle über seine Vorstellungen von der Bebauung freier Flächen in der Stadt, dann stellte er sich den Fragen der Zuhörer und hörte sich Anregungen an. Am Ende war deutlich: Das Stadtoberhaupt will die soziale Zusammensetzung der Stadt deutlich anheben, will gut situierten Familien in Mannheim attraktive Wohnmöglichkeiten bieten, bevor sie ins Umland ziehen, oder gar Familien vom Umland in die Stadt locken.
Gewiss keine leichte Aufgabe, stellte Kurz bei dem von der Lindenhöfer SPD organisierten Abend fest: "Uns muss da etwas ganz Besonderes einfallen." Eine Leuchtturmfunktion spricht der OB dem Projekt "Mannheim 21" zu. Noch bis vor etwa einem Jahr sei es mit seinen 28 Hektar das größte Vorhaben in der Stadt gewesen, "und dann kamen die Amerikaner mit ihrem geplanten Abzug". Schlagartig eröffneten sich Perspektiven auf rund 500 Hektar Fläche, die es zu gestalten gelte.
Genau da will der OB mit seiner Vorstellung von einer "sozial ausgewogenen Urbanität" ansetzen. Dabei hat er vor allem die besser verdienenden Schichten vor Augen. Nun weiß Kurz auch, dass die meisten Konversionsflächen, die bislang von der US-Armee genutzt wurden oder noch einige Monate genutzt werden, nicht unbedingt in attraktiven Gegenden der Stadt liegen. Zudem befinde sich Mannheim in harter Konkurrenz mit dem Umland, etwa mit Heidelberg. Dennoch: "Wir müssen den Trend zur sozialen Entmischung ins Umland umkehren."
Im Projekt "Mannheim 21" sieht der Oberbürgermeister große Chancen für sein Vorhaben, gehobenes und attraktives Wohnen zu schaffen. Dabei erfuhr er im Laufe des Abends, dass die Lindenhöfer die Planungen auf dem Gelände entlang der Bahn kritisch begleiten. Stadtrat Professor Dr. Horst Wagenblaß: "Die Lindenhöfer sind nicht gegen das Projekt als solches, Probleme sehen wir aber im Detail".
Wie mehrfach berichtet, sollen in den kommenden Jahren auf der so genannten Bahninsel neue Büro- und Wohngebäude entstehen. Die Stadt ist bereits jetzt dabei, die Südtangente entlang der Bahn zu verlegen. Vom alten Baubestand bleiben nur die Lokschuppen und das Werkstattgebäude der Bahn stehen. Die Lindenhöfer träumen davon, dass in diesem Komplex ein Kulturzentrum mit Gastronomie entsteht.
Das alles scheint im Stadtteil unstrittig. Massive Kritik gibt es an dem Vorhaben, auf dem Hanns-Glückstein-Platz Wohngebäude zu errichten. Die im Stadtteil engagierten Bürger, unter ihnen wortstark Wolf Engelen von der Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) sowie Stadtrat Wagenblaß, sorgen sich um die optische Anbindung des neuen Quartiers an den alten Lindenhof. Sie sähen es am liebsten, wenn der begrünte Platz mit dem künftigen Kulturzentrum ein Ensemble bildet.
Doch da bissen sie bei dem Oberbürgermeister auf Granit. Mit dem Verkauf der Bebauungsfläche will die Stadt das Vorhaben mitfinanzieren. Allenfalls kann sich Kurz eine "optische Achse zwischen den Häusern auf dem Platz vorstellen. Sicher ist er bereits jetzt, dass Lindenhofs zentrale Einkaufsmeile Meerfeldstraße belebt wird. Denn immerhin sollen auf "Mannheim 21" rund 3500 Arbeitsplätze und Wohnungen für etwa 1500 Menschen entstehen.
Enttäuscht zeigte sich ein Anwohner, dass die Vergrößerung des Platzes kleiner ausfällt als ursprünglich geplant. Andere Bürger machen sich Sorgen um die künftige Bezahlbarkeit von Mieten in einem attraktiveren Quartier. Ein weiterer Bürger befürchtet, dass "Mannheim 21" den Charme des Bahnhofsvorplatzes annimmt, den er nicht für erstrebenswert hält.
Der Oberbürgermeister versprach, dass die Stadtverwaltung auf architektonische Qualität achten werde: "Alle Investoren müssen sich einem Architekten-Wettbewerb stellen", kündigte Kurz an. Denn "Mannheim 21" bilde einen "zentralen Baustein" in der Entwicklung der Stadt mit den unverhofft schnell frei werdenden Flächen der US-Armee.