Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes Karla Spagerer ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Sie ist am Morgen des 16. Mai 2025 nach kurzer Krankheit friedlich eingeschlafen.
Der SPD-Kreisvorsitzende Dr. Stefan Fulst-Blei zeigt sich tief berührt: „Die gesamte Mannheimer Sozialdemokratie verneigt sich in Trauer, Dankbarkeit und großem Respekt für ihre Lebensleistung vor dieser großartigen Frau. Unsere Gedanken sind bei ihrer Familie. Als eine der letzten Zeitzeuginnen der nationalsozialistischen Diktatur in Mannheim hat sie es sich in den letzten Jahren immer stärker zur Aufgabe gemacht, aufzuklären und vor einem erneuten Erstarken des Rechtsextremismus zu warnen. Besonders das Gespräch mit jungen Menschen war ihr sehr wichtig. Ich bin dankbar, dass ich sie über dreißig Mal zu Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern begleiten durfte. Ob in kleinen Gruppen oder vor 300 Personen: Karla Spagerer hat es immer wieder geschafft, jungen Menschen ihre Erfahrungen in der Diktatur und daraus abgeleitet den Wert unserer Demokratie zu vermitteln. Es war für mich immer ein Erlebnis zu sehen, wie junge Menschen ihr gebannt zuhörten und auch nach 90 Minuten nicht müde wurden, Fragen zu stellen. Ihre oft verwendeten Worte bleiben unser Auftrag: „Und wenn die Demokratie gefährdet ist, dann gehen wir zusammen raus und verteidigen sie. Es lohnt sich!“
Für den SPD-Landesvorsitzenden Andreas Stoch bleibt sie eine große Sozialdemokratin für Mannheim und das ganze Land: „Wir sind stolz und dankbar, sie in unseren Reihen gehabt zu haben. Wir sind dankbar für ihr Engagement bis ins hohe Alter, ihren Einsatz für unsere Demokratie, für ihre Freundschaft, für die sozialdemokratischen Werte, die sie immer vertreten hat. Die SPD Baden-Württemberg hat eine große Mitstreiterin verloren. Ihr Vermächtnis ist ihre große Menschlichkeit und ihr Einsatz für unsere Demokratie. Ich bin dankbar, dass ich einen so großartigen Menschen kennenlernen durfte. Meine Gedanken sind bei ihrer Familie.“
Karla Spagerer, geboren am 27. Oktober 1929 wurde 95 Jahre alt. Sie war über 70 Jahre mit Walter Spagerer, dem ehemaligen SPD-Landtagsabgeordneten und Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Mannheim, verheiratet. Nach ihrem Mann ist die Haupttribüne des SV Waldhof Mannheim im Carl-Benz-Stadion benannt. Erst vor einigen Jahren begann sie über ihre Erlebnisse als Mitglied einer Familie, die aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus war, zu sprechen. Hierzu besuchte sie in Begleitung des Mannheimer Landtagsabgeordneten und ehemaligen Berufsschullehrers Stefan Fulst-Blei zahlreiche Schulklassen. Im weiteren Verlauf wurde sie zu zahlreichen Veranstaltungen angefragt, wo sie immer wieder eindrücklich ihre Erinnerungen schilderte und aktiv zur Verteidigung der Demokratie und gegen die AfD aufrief. Das Erstarken der Rechtsextremen war es letzten Endes auch, was sie bewegte, ab 2018 aktiv zu werden. 2022 war sie für die SPD Baden-Württemberg Vertreterin bei der Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten. Als ältestes wählendes Mitglied wurde ihr und ihrem Einsatz bundesweite Aufmerksamkeit zuteil. Für ihr Engagement wurde sie am 9. September 2022 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.