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Kultur. Inspiration! Freie Szene stärken

Standpunkte

Thorsten Riehle ist SPD-Sprecher für Kulturpolitik

Die Freie Szene macht einen beträchtlichen Teil der Mannheimer Kultur aus. Mit mehr Unterstützung durch die Stadtverwaltung kann ihr Angebot aber auch ihre Arbeitsbedingungen weiter verbessert werden. Das SPD-Positionspapier "Kultur. Inspiration! Freie Szene stärken" soll Handlungsfelder eröffnen.

Mannheim ist – unbestritten - der kulturelle Mittelpunkt der Metropolregion Rhein Neckar. Die großen vier Einrichtungen der Stadt – Nationaltheater, Reiss-Engelhorn-Museen, Kunsthalle und Technoseum – sorgen für eine teils weit über die Region hinausgehende Wahrnehmung.

Diese wichtige Funktion ist dabei aber nur ein kleiner Teil dessen, was Mannheim als Kulturstadt bedeutsam macht. Insbesondere die Vielfalt der freien Kulturträger, der zahlreichen Bühnen und die Angebote der kommerziellen Anbieter sind in ihrer quantitativen Ausprägung durchaus vergleichbar mit den großen kulturellen Zentren Deutschlands. Auch die Qualität der Mannheimer Kulturträger ist dabei nicht außer Acht zu lassen und im Vergleich zu ähnlichen Einrichtungen in anderen Städten als sehr hoch einzustufen.

All dies zeichnet Mannheim im Besonderen aus. Quantität hat dabei weniger etwas mit Beliebigkeit, sondern eher etwas mit kultureller Vielfalt und einem differenzierten und attraktiven Angebot unterschiedlicher Sparten der Kultur an unterschiedlichen Orten in Mannheim zu tun. Kommunale Einrichtungen erfüllen dabei ebenso eine wichtige Funktion wie Kulturangebote, die von der öffentlichen Hand finanziell gefördert oder rein als privat organisierte Kulturträger getragen werden.

  • Kulturelle Vielfalt fördern

    Als Stadt fokussieren wir unsere Fördermöglichkeiten dabei auf die kommunalen Einrichtungen, bestenfalls noch mit einem geringen Teil der zur Verfügung stehenden Gelder auf einen kleinen Teil der freien kulturellen Träger. Wir vergessen dabei die oftmals innovativen und zielgruppenorientierten Angebote freier Kulturträger, die von uns teilweise durch Projektmittel, mittlerweile auch institutionell, zum Großteil aber finanziell gar nicht gefördert werden.

    Bei der Unterscheidung in der Finanzierung kann es nicht um eine qualitative Diskussion gehen. Die Frage nach der Qualität eines kulturellen Angebots beantwortet jeder individuell für sich. Das ist auch legitim, so lange die jeweils argumentierende andere Seite akzeptiert, dass seine Definition von Qualität durchaus nur eine Teilsicht dessen sein kann, was kulturelle Vielfalt ausmacht. Der jeweilige Standpunkt hat dabei etwas mit Alter, Sozialisation oder beispielsweise auch ethnischer Herkunft zu tun.

    Als Politik müssen wir anerkennen, dass wir nicht den Durchschnitt der Mannheimer Bevölkerung abbilden. Das hat spätestens dann eine Relevanz, wenn es um Wahrnehmung der Angebote geht, die jenseits unserer bisherigen Förderpraxis liegen.

  • Signale in mehr Richtungen senden

    Die bislang gängige finanzielle Förderung in Mannheim setzt dabei in der Hauptsache auf die Bewahrung unserer großen und wichtigen Kultureinrichtungen. Punktuell gelingt es uns dabei, kulturpolitisch bedeutsame Signale zu setzen, beispielsweise mit dem Neubau der Kunsthalle. Die gerade beginnende Diskussion um die Generalsanierung des Nationaltheaters erzeugt ein weiteres Signal der wichtigen, letztlich aber nur bewahrenden Kulturpolitik. Diese Signalsetzung ist trotz einer großen finanziellen Anstrengung im vielfachen Millionenbereich in der Politik kaum umstritten. Im Sinne einer Kulturmetropole verwundert dies wenig.

    Die Kulturpolitik verkennt dabei aber, dass der Fokus vieler Menschen nicht mehr nur auf den großen, von vielen als Leuchtturm bezeichneten Kultureinrichtungen der Stadt liegt, sondern sich deutlich in die Angebote anderer Kulturträger verlagert hat. Dies liegt sicherlich auch an dem in den letzten Jahren expandierten Angebot.

  • Neue Bedürfnisse der Menschen

    Zunehmend ist dies aber auch eine Frage der sich veränderten Kulturpräferenzen. Der reflexartige Widerspruch bei Finanzierungs-begehren freier Einrichtungen und die oftmals fehlende Wahrnehmung und damit auch ausreichende fehlende Anerkennung dieser kleinen Kulturträger ist dabei eine Verkennung der tatsächlichen Bedürfnisse von zahlreichen Mannheimerinnen und Mannheimern.

    Zu guter Letzt ist es wichtig bei fehlender finanzieller Unterstützung die Freiheit der Kultur als wichtigen Antrieb nicht zu unterschätzen, aber sie dennoch in die Lage zu versetzen, Kultur als Allgemeingut zu praktizieren und zu gestalten.


 

Diese Punkte vorausgeschickt ergeben sich acht Handlungsfelder.

  • 1. Kunst und Kultur sind bunt und vielfältig

    Zu einer Kulturstadt wie Mannheim gehören zahlreiche und vielfältige Kulturangebote. Die überwiegende Fokussierung von Gemeinderat und Stadtverwaltung lediglich auf die geförderten Einrichtungen verkennt die Vielfältigkeit und führt dazu, dass die Belange eines Großteils der Mannheimerinnen und Mannheimer nicht oder nicht ausreichend wahrgenommen werden.

    Verkannt wird dabei insbesondere, dass beispielsweise Führungskräfte von morgen nicht mehr nur den Spielplan des Nationaltheaters oder die Ausstellungen der Kunsthalle als kulturell bereichernd empfinden, sondern eben auch das Großkonzert in der SAP Arena, das Festival auf dem Maifeld Derby, den Comedy Event im Capitol, die Tanzvorführung im Theater Felina Areal oder den Abend im Theater Oliv.

    Die Diskussion um die Gewinnung von Exzellenzen lediglich nur mit den großen von der Stadt mit Millionenbeträgen geförderten Einrichtungen zu führen, ist in seinem Kern weder mit dem Blick nach vorne gerichtet noch gerecht geführt.

  • 2. Kunst und Kultur nicht verhindern, sondern unterstützen

    Kunst und Kultur braucht zu ihrer Verwirklichung öffentliche Freiräume. Die Stadtverwaltung muss sich noch mehr als Ermöglicherin und Unterstützerin verstehen. Die Diskussionen um Lärmschutz, Sicherheit oder Sauberkeit führen dabei allzu oft zu einer Situation, die den Kulturtreibenden die Ausübung ihrer Vorhaben erschwert.

    Die Stadtverwaltung muss dies mehr als Rahmengeberin und Vermittlerin gegenüber den Bedenkenträgern gestalten, nicht als Gegnerin der Kulturschaffenden.

  • 3. Kunst und Kultur der Freien Szene ist Sozialpolitik

    Mannheim hat früh erkannt, welche verbindende Kraft die Kultur haben kann. Bei der Entwicklung der Konversionsflächen sprechen wir ganz selbstverständlich davon, dass Kultur einen wichtigen Faktor für das Wohlbefinden künftiger Bewohnerinnen und Bewohner darstellt.

    Soziale Probleme in einem Quartier können durch eine kulturelle Bespielung entschärft und die Lebensbedingungen der Menschen verändert werden. Kultur ist der Motor von Integration und weckt Verständnis füreinander.

    Es gibt zahlreiche Projekte wie Zwischenraum oder die Lichtmeile, vielfältige Engagements von Vereinen wie dem Kulturparkett, die den Menschen kulturelle Teilhabe ermöglichen.

    All diese kleinteiligen Unternehmungen unterstützen wir finanziell kaum, sie lösen uns aber vielfältige soziale Probleme und sorgen somit dafür, Folgekosten zu vermeiden, zumindest aber einzugrenzen.

  • 4. Wirtschaftskraft und überregionale Aufmerksamkeit

    Mannheim hat eine große und offene Szene kommerzieller Kulturträger. Die Veranstaltungen bedeuten für Mannheim als kulturelles Zentrum der Metropolregion ein vielfältiges und über die Region hinausgehend wahrnehmbares Angebot.

    Durch die Besucherinnen und Besucher bleibt Umsatz im Einzelhandel, in der Gastronomie und der Hotelerie. Das wirkt sich positiv auf die Wirtschaftskraft Mannheims aus. Es gibt nur wenige Erhebungen zu der tatsächlichen Größenordnung dieser Wirtschaftskraft. Hier wäre es an den Veranstaltern, diese Tatsache mit Zahlen zu unterlegen.

    Wir müssen dafür Sorge tragen, dass ein ausreichendes, adäquates Raumangebot erhalten werden kann. Die Aufgabe der Stadt muss es sein, dies durch die Offenhaltung der eigenen Veranstaltungsorte für die Kultur, durch die Unterstützung beim Genehmigungsverfahren kleiner Theaterräume bis hin zur Ermöglichung punktuell genutzter, ungewöhnlicher Veranstaltungsorte zu gewährleisten.

  • 5. Kunst und Kultur der Freien Szene ist Standortpolitik

    Die vielfältigen Angebote der Freien Szene sind aktive Standortpolitik. Natürlich ist hier der Jungbusch beispielgebend. Durch eine Ansiedlungspolitik der Popakademie und des Musikparks, aber auch durch den Bau des neuen Kreativwirtschaftszentrums C-Hub und der Einrichtung einer kommunalgeförderten Galerie sind wichtige Impulse und Signale in den Stadtteil gesetzt worden.

    Abseits dieser hochsubventionierten Bautätigkeiten ist das Quartier um den Alten Messplatz in der Neckarstadt mit der größten Dichte an Kulturträgern ein stabilisierender Faktor für diesen Standort. Mannheim muss solche Quartiere identifizieren, unterstützen und fördern.

  • 6. Niederschwellige Kulturangebote sind wichtig für das Miteinander

    Insbesondere in den Stadtteilen tragen Vereine und kleinere kulturelle Träger maßgeblich zur positiven Entwicklung ihres Stadtteils bei. Dort wo Menschen sich zu einer Singstunde treffen, gemeinsam Tänze einstudieren oder ein Kulturfest vorbereiten, gibt es Begegnung und Austausch, oftmals über Generationen und Kulturen hinweg.

    In zahlreichen Stadtteilen ist kulturelle Integration gar keine Frage mehr, sie wird selbstverständlich aktiv betrieben und gelebt. Natürlich spielen Kindergärten und Schulen, aber auch Kirchengemeinden dabei eine wichtige Rolle. Aber auch den Vereinen kommt eine maßgebliche Funktion in diesem Miteinander zu.

    Deren aktive Förderung kann nicht nur in einer breiteren finanziellen Unterstützung liegen. Vielmehr wird es wichtig sein, diese Angebote in der Stadtteilkultur aktiv zu begleiten.

  • 7. Vernetzung und Beratung verbessern

    Kunst und Kultur leben von Vernetzung. Diese Vernetzung, das gegenseitige Kennenlernen und unterstützen muss gefördert werden. Dies kann nur professionalisiert geschehen.

    Ein weiterer wichtiger Bestandteil liegt in der Beratung für die Akquise von Drittmitteln und in der Unterstützung der Kulturschaffenden bei der Erstellung von Wirtschaftsplänen und der Planung von Budgets. Eine eigene Personalstelle im Kulturamt als Ansprechpartner der Freien Szene kann beispielsweise entscheidende Impulse setzen.

  • 8. Kunst und Kultur der Freien Szene kostet Geld

    Kulturelle Vielfalt und ein breites Kulturangebot der verschiedenen Träger kostet Geld. Doch gerade für die kleinteiligen und wichtigen Angebote, die zu einer offenen und modernen Stadtgesellschaft dazu gehören, setzen wir deutlich zu wenig finanzielle Mittel ein.

    Zwar ist es uns gelungen, fast alle freien Kulturträger in die institutionelle und damit in die verbindliche finanzielle Förderung zu bringen, das jedoch auf zum Teil niedrigstem Niveau. Für innovative und besondere Projekte haben wir kaum Spielraum.

    Bei einem Gesamthaushalt im Kulturbereich in Höhe von 56.115.594 Euro setzen wir gerade einmal 316.950 Euro für Projektfördermittel der Freien Szene ein. Das sind lediglich 0,56 % und damit deutlich zu gering für den Anspruch, den wir selbst formulieren.


Das Gesamtpapier zum Download als pdf- Datei: Kultur. Inspiration! Freie Szene stärken

 

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